Archive unter freiem Himmel – Warum wir die Friedhöfe jetzt sichern müssen

Foto: Elisabeth Mühlbauer

Wer an Ahnenforschung denkt, hat meistens dicke, staubige Kirchenbücher im Kopf. Doch das spannendste Archiv der Region liegt oft direkt vor unserer Haustür, umgeben von alten Mauern: unsere Friedhöfe. Sie sind weit mehr als Orte der Trauer – sie sind steinerne Geschichtsbücher, die uns verraten, wie unsere Vorfahren gelebt und gearbeitet haben.

Doch dieses Archiv ist akut bedroht.

Wettlauf gegen die Zeit: Das Verschwinden der Grabsteine

Vielleicht ist es euch auf unseren Ortsfriedhöfen auch schon aufgefallen: Das Bild verändert sich rasant. Die Bestattungskultur wandelt sich, immer mehr Menschen entscheiden sich für moderne Urnengräber, Wandnischen oder Naturbestattungen. Das hat zur Folge, dass alte Familiengräber verstärkt aufgelassen und geräumt werden.

Für uns Familienforscher ist das ein schmerzhafter Verlust. Wenn ein Grabstein wegkommt, gehen oft wertvolle Daten verloren – exakte Geburts- und Sterbedaten, Berufsbezeichnungen oder Hinweise auf früh verstorbene Kinder, die auf den Steinen verewigt waren.

Unser Digitalisierungsprojekt auf BillionGraves

Um dieses Wissen für die Zukunft zu retten, sind wir von den Familienforschern Tullnerfeld aktiv auf den Friedhöfen unterwegs. Einige Friedhöfe unserer Region haben wir bereits in der weltweiten Datenbank BillionGraves erfasst und die Grabsteine fotografiert sowie indexiert. Aber das ist ein riesiges Unterfangen, und wir sind bei Weitem noch nicht überall fertig. Es ist ein echter Wettlauf gegen die Zeit.

Schätze in der Schublade: Parten und Sterbebilder

Nicht nur auf dem Friedhof, auch zu Hause in Schubladen schlummern historische Schätze: Parten (Todesanzeigen) und Sterbebilder. Diese kleinen Kärtchen und Druckwerke wurden früher sorgsam aufgehoben. Für die Ahnenforschung sind sie von unschätzbarem Wert, weil sie oft Fotos der Verstorbenen, Gedichte, Lebensstationen und die Namen der trauernden Verwandten enthalten.

Wir sammeln diese Dokumente systematisch und pflegen sie in unsere eigene, stetig wachsende Datenbank im internen Bereich ein.

Macht mit – Jede Hilfe zählt!

Wir von den Familienforschern Tullnerfeld arbeiten alle komplett ehrenamtlich und aus reiner Leidenschaft für unsere Heimatgeschichte. Deshalb ist uns eine Sache besonders wichtig: Die Anmeldung und Mitgliedschaft in unserem Verein ist vollkommen kostenlos! Als Mitglied habt ihr freien Zugriff auf unsere interne Datenbank und könnt dort nach euren eigenen Vorfahren stöbern.

Damit wir unser regionales Gedächtnis weiter füllen können, brauchen wir eure Hilfe:

  • Friedhöfe fotografieren: Wer hat Lust, uns beim systematischen Fotografieren von Grabsteinen auf den Friedhöfen zu unterstützen?
  • Parten und Sterbebilder leihen: Habt ihr noch alte Parten oder Sterbebilder zu Hause? Wir wollen sie euch nicht wegnehmen! Die Parten werden von uns nur kurz digitalisiert (gescannt) und sofort wieder an euch zurückgegeben.

Jedes Sterbebild und jeder dokumentierte Grabstein rettet ein Stück Familiengeschichte vor dem Vergessen. Wenn ihr Material habt oder mithelfen wollt, schreibt uns einfach einen Kommentar oder meldet euch direkt bei uns!

So könnt ihr uns erreichen: Entweder hier direkt einen Kommentar unter den Beitrag, schickt uns eine Nachricht über unser Kontaktformular auf der Webseite oder schreibt uns eine kurze E-Mail. Wir freuen uns über jede Nachricht und jede helfende Hand!


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Ein Kommentar

  1. Josefine Hofmarcher

    Wie wahr,
    aber wie können wir die jüngeren Generation davon überzeugen auch nach unserem Ableben damit weiter zu machen?

    Vorschläge erwünscht 🥰

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