Wenn man an diesen warmen Sommertagen durch das ruhige Tullnerfeld blickt, erinnert kaum noch etwas an den enormen Polit-Krimi, der sich genau in dieser Juli-Woche vor 48 Jahren abgespielt hat. Wer damals – so wie ich mit 12 Jahren – durch die Straßen ging, erinnert sich vielleicht noch dunkel an ein Symbol, das plötzlich überall auftauchte: Die lachende, rote Sonne auf gelbem Grund mit dem Slogan „Atomkraft? Nein danke“.
Genau in dieser Juli-Woche 1978 wurden die Weichen für unsere Region völlig neu gestellt. Wer heute vor dem Kraftwerk steht, blickt auf ein weltweit einzigartiges Denkmal. Ursprünglich sah die rot-weiß-rote Energieplanung der 1970er-Jahre nämlich ganz anders aus: Insgesamt drei Kernkraftwerke waren in Österreich geplant. Zwentendorf sollte nur das erste davon sein – und es blieb letztlich weltweit das einzige, das jemals fertiggebaut wurde, aber nie in Betrieb ging.
Dass dort nie Atomstrom produziert wurde, verdanken wir einer weichenstellenden Entscheidung, deren juristischer Startschuss sich in der vergangenen Woche jährte: Am 7. Juli 1978 verabschiedete der Nationalrat das Gesetz zur friedlichen Nutzung der Kernenergie. Es war der entscheidende Funke und die direkte Vorgeschichte für die spätere Volksabstimmung im November desselben Jahres, bei der die Bevölkerung das Projekt letztlich endgültig ablehnte.
Auch wenn nach dem knappen Nein im Spätherbst nie ein Brennstab geladen wurde, hat die monatelange Arbeit im Vorfeld unübersehbare Spuren direkt vor unserer Haustür hinterlassen. Man muss im Ortsbild nur genau hinschauen: In Erpersdorf zeugt die eigens errichtete Otto-Hahn-Siedlung mit ihren Betriebswohnungen bis heute von den damaligen Plänen. Und auch Straßennamen wie die Lise-Meitner-Gasse erinnern bleibend an die Pionierzeit der Kernphysik, die Zwentendorf fast über Nacht weltberühmt gemacht hätte…oder besser gesagt hat!
Und heute? Aus dem einstigen Zankapfel der Nation ist längst ein zukunftsträchtiger Ort geworden. Heute dient das Areal in Zwentendorf als modernstes Solar- und Photovoltaikkraftwerk, als einzigartiges Schulungs- und Forschungszentrum und nicht zuletzt als spektakuläre Kulisse für Kultur- und Eventhighlights. Es ist ein lebendiger Beweis dafür, wie aus den Plänen von gestern ein völlig neuer, nachhaltiger Weg für die Zukunft entstehen kann.
Ein kleiner Blick zurück in diese geschichtsträchtige Juli-Woche zeigt uns wieder einmal, wie viel historische Tragweite und wie viele greifbare Erinnerungen direkt in unserer Heimat liegen.
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