Das Tullnerfeld: Eine Region mit Geschichte

Das Tullnerfeld blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Schon die Römer schätzten die strategische Lage an der Donau (Comagena), und im Nibelungenlied wird die Region als wichtiger Schauplatz erwähnt.

Für Chronisten und Familienforscher bietet das Tullnerfeld einen reichen Schatz an Geschichte und Geschichten. Die alten Dorfstrukturen, die historischen Pfarrkirchen und die tief verwurzelten Familiennamen erzählen vom Leben und Arbeiten in dieser weiten Ebene. Wer hier forscht, findet eine Verbindung von der traditionellen bäuerlichen Kultur bis hin zur industriellen Entwicklung der Neuzeit.

Das Tullnerfeld: Ein geschichtlicher Querschnitt durch die Zeit

Um die Geschichte unserer Vorfahren im Tullnerfeld zu verstehen, muss man die Geografie als Bühne betrachten. Diese etwa 400 km2 große Ebene war niemals nur stilles Ackerland, sondern seit jeher eine wichtige Durchgangsstation zwischen West- und Osteuropa.

Der Westen: Das Tor zur Wachau

Dort, wo die Donau bei Hollenburg und Traismauer aus der Enge der Wachau heraustritt, beginnt das Tullnerfeld.

  • Historisch betrachtet: Dieser Bereich war unter den Römern als Standort des Reiterkastells Augustianis (Traismauer) von strategischer Bedeutung. Wer hier siedelte, kontrollierte den Zugang zum Herzen des Landes.

Der Norden: Der schützende Wagram

Die markante Lösskante des Wagrams begrenzt das Feld nach Norden hin.

  • Historisch betrachtet: Der Wagram bot Schutz vor den Hochwässern der Donau und war gleichzeitig fruchtbarer Boden für den Weinbau, der die Region seit der Römerzeit prägt. Er bildet die natürliche Grenze zum Weinviertel und war Schauplatz zahlreicher Truppenbewegungen – von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg bis zu den napoleonischen Kriegen (Schlacht bei Wagram).

Der Süden: Die Grenze des Wienerwalds

Im Süden riegelt der bewaldete Rücken des Wienerwalds die Ebene ab.

  • Historisch betrachtet: Die Klöster am Rande dieser Hügelkette, wie das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, waren über Jahrhunderte die geistigen und grundherrschaftlichen Zentren. Für die Ahnenforschung sind deren Matriken und Grundbücher oft die wichtigste Quelle, um das Leben der bäuerlichen Bevölkerung zu rekonstruieren.

Das Zentrum: Zwentendorf und Tulln – Das Herz der Nibelungen

In der Mitte der Ebene, direkt an der Donau, liegen Orte wie Zwentendorf und die Stadt Tulln.

  • Historisch betrachtet: Hier begegnen wir der Sage: Im Nibelungenlied wird beschrieben, wie sich Kriemhild und der Hunnenkönig Etzel in Tulln trafen – ein Hinweis darauf, wie bedeutend die Region schon im Hochmittelalter als diplomatischer Knotenpunkt war. Zwentendorf selbst steht auf den Fundamenten des römischen Kastells Asturis, was zeigt, dass wir hier auf Boden leben, der seit über 2.000 Jahren kontinuierlich besiedelt ist.

Der Osten: Die Wiener Pforte

Bei Greifenstein und der Wiener Pforte verengt sich das Feld wieder.

Historisch betrachtet: Die Burg Greifenstein wachte über den Zugang Richtung Wien. Wer im Tullnerfeld lebte, war immer im direkten Einflussbereich der nahen Residenzstadt Wien, was sich oft in den Berufen (Zulieferer für den Hof) oder in Fluchtbewegungen während der Türkenbelagerungen widerspiegelte.

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