Muckendorf-Wipfing

Kurzprofil

  • Bezirk: Tulln
  • Historische Namen: Muckendorf (vermutlich von „Mückendorf“ aufgrund der Lage in den feuchten Donauauen); Wipfing (abgeleitet vom Personennamen Wippo).
  • Erste urkundliche Erwähnung: Muckendorf ca. 1070; Wipfing ca. 1130.
  • Besonderheit: Eine klassische Donaugemeinde, deren Schicksal jahrhundertelang von der Fischerei, der Schifffahrt und den fruchtbaren Schwemmlandböden bestimmt wurde.

Geografie & Katastralgemeinden

Die Gemeinde besteht aus den zwei namensgebenden Katastralgemeinden, die historisch unterschiedliche Schwerpunkte hatten:

  • Muckendorf: Der Ortsteil direkt an den Donauauen, stark geprägt durch die Nähe zum Strom.
  • Wipfing: Ein etwas weiter im Binnenland gelegener Teil, der traditionell stärker landwirtschaftlich orientiert war.

Kirchliches & Seelsorge

  • Pfarre: Die Gemeinde besitzt keine eigene historische Pfarre. Beide Orte gehören seit jeher zur Pfarre Zeiselmauer.
  • Wichtiger Hinweis für Forscher: Die Matriken (Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher) für Muckendorf und Wipfing sind im Archiv der Pfarre Zeiselmauer bzw. im Diözesanarchiv St. Pölten zu finden.
  • Die Kapellen (Ortsteilszentren):
  • Kapelle zum hl. Koloman (Muckendorf): Sie bildet das spirituelle Zentrum von Muckendorf. Der hl. Koloman ist ein typischer Patron für diese Region (er wurde der Legende nach unweit von hier in Stockerau hingerichtet).
  • Kapelle zum hl. Sebastian (Wipfing): Eine historische Kapelle im Herzen von Wipfing, die dem Schutzpatron gegen die Pest geweiht ist – ein Hinweis auf die Sorgen und Gebete früherer Generationen.

Bestattungsorte

  • Friedhof Zeiselmauer: Da Muckendorf und Wipfing keine eigene historische Pfarre hatten, liegt der traditionelle Bestattungsort in Zeiselmauer.
  • Ortsfriedhof Muckendorf: Heute verfügt die Gemeinde über einen eigenen Friedhof für die lokale Bevölkerung.

Dokumentation & Lokales Gedächtnis

  • Gemeindearchiv: Das Gemeindeamt sowie das Archiv der Pfarre Zeiselmauer sind die ersten Anlaufstellen für historische Dokumente.
  • Niederösterreichisches Landesarchiv: Hier liegen die Herrschaftsakten (z.B. der Herrschaft Königstetten oder der Domäne Tulln), die für die Besitzfolgen der Häuser in Muckendorf und Wipfing relevant sind.
  • Online-Quellen: Für historische Zeitungsberichte (z.B. über das Strombad oder Hochwasserereignisse) empfiehlt sich das Portal ANNO der Österreichischen Nationalbibliothek.

Wissenswertes: Historische Hintergründe

  • Das Strombad Muckendorf: In der Zwischenkriegszeit war Muckendorf ein bekannter Ausflugsort. Das Strombad an der Donau war ein Zentrum der Sommerfrische für Gäste aus der nahen Bundeshauptstadt Wien.
  • Die Donauregulierung: Die „Alte Donau“ bei Muckendorf ist ein lebendiges Zeugnis der Zeit vor der großen Regulierung. Diese Arbeiten veränderten nicht nur die Landschaft, sondern auch die Erwerbsquellen der ansässigen Bevölkerung (Wegfall der Schiffszüge).
  • Römerweg: Die heutige Trasse durch die Orte folgt in weiten Teilen der antiken Limesstraße, die die Kastelle Tulln und Zeiselmauer verband.

Historische Bauten & Denkmäler

  • Kriegerdenkmal: Zum Gedenken an die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege aus Muckendorf und Wipfing, es befindet sich auf dem Friedhof in Muckendorf
  • Kapelle Hl. Sebastian (Wipfing): Ein kleiner barocker Bau, der als spirituelles Zentrum des Ortsteils Wipfing gilt.

Wissenswertes: Was das Leben unserer Vorfahren prägte

Die Legende vom Hl. Koloman

Muckendorf spielt eine Rolle in einer der bekanntesten Legenden Niederösterreichs. Der irische Pilger Koloman wurde im Jahr 1012 fälschlicherweise für einen Spion gehalten und in Stockerau hingerichtet.

  • Der Bezug: Der Legende nach wurde sein Leichnam über die Donau nach Muckendorf gebracht. Da sein Körper dort angeblich “unverwest” blieb und Wunder bewirkte, begann die Verehrung, die ihn schließlich zum ersten Landespatron von Österreich machte. Die Koloman-Kapelle in Muckendorf erinnert bis heute an diese tiefe Verwurzelung.

Das “Venedig des Tullnerfelds”

Vor der großen Donauregulierung Ende des 19. Jahrhunderts war das Ortsbild von Muckendorf völlig anders.

  • Wissenswert: Der Ort war von zahlreichen Nebenarmen der Donau (den sogenannten Gießen) durchzogen. Viele Häuser waren nur über Stege erreichbar, und die Bewohner waren wahre Meister im Umgang mit der Zille. Die heutige “Alte Donau” ist nur ein stiller Zeuge dieser einst wilden Wasserlandschaft.

Schiffszüge und Leinreiter

Muckendorf war ein strategisch wichtiger Punkt für die Donauschifffahrt. Bevor es Dampfschiffe gab, wurden die Schiffe stromaufwärts von Pferden gezogen (das sogenannte „Gegenzug-Verfahren“).

  • Wissenswert: Entlang des Ufers verlief der Treppelweg. Viele Muckendorfer verdienten ihr Brot als Schiffleute oder stellten Pferde für diese mühsame Arbeit bereit. Wenn Sie in alten Berufen forschen, werden Sie hier oft auf “Fergen” (Fährleute) oder “Schiffsknechte” stoßen.

Die “Sommerfrische” und das Strombad

Mit dem Bau der Franz-Josefs-Bahn Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten die Wiener das Tullnerfeld als Erholungsraum.

  • Wissenswert: Muckendorf entwickelte sich zu einem schicken Badeort. Das Strombad war weit über die Region hinaus bekannt. Diese Ära brachte Wohlstand in den Ort, da viele Bauernzimmer an Sommerfrischler vermietet wurden – ein früher Vorläufer des heutigen Tourismus.

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