Langenrohr

Kurzprofil

  • Bezirk: Tulln
  • Historischer Name: Langonreid (althochdeutsch für ein langes, gerodetes Schilfgelände)
  • Erste urkundliche Erwähnung: 1045 (in einer Schenkungsurkunde von Kaiser Heinrich III. an das Kloster Bamberg).
  • Besonderheit: Langenrohr war über Jahrhunderte ein klassisches “Haufendorf”, das massiv von den Hochwässern der Donau und der Großen Tulln geprägt wurde.

Geografie & Katastralgemeinden

Die Gemeinde Langenrohr besteht aus fünf historischen Ortsteilen, die für Forscher jeweils eigene Entwicklungen aufweisen:

  • Langenrohr: Der Hauptort, Sitz des Gemeindeamtes der Marktgemeinde und der Pfarre.
  • Asparn: Ein historisch bedeutendes Dorf, das eng mit der Donau verbunden war.
  • Kronau: Ein Ortsteil, dessen Name (“Au”) bereits auf die ursprüngliche Flusslandschaft hindeutet.
  • Langenschönbichl: Geprägt durch die Landwirtschaft und die Nähe zur Großen Tulln.
  • Neusiedl: Ein wichtiger Ortsteil im Herzen des Gemeindegebiets (nicht zu verwechseln mit Neuaigen).

Kirchliches & Seelsorge

  • Pfarre: Pfarre St. Nikolaus in Langenrohr.
  • Zugehörigkeit: Diözese St. Pölten (früher Passau) / Dekanat Tulln.
  • Matriken-Beginn:
    • Taufen: 1629
    • Trauungen: 1629
    • Sterbefälle: 1630
    • Hinweis: Die Matriken sind für eine Landpfarre sehr früh und kontinuierlich erhalten.
  • Filialkirchen: Kapelle in Asparn (Hl. Florian), Kapelle in Langenschönbichl (Hl. Josef).

Bestattungsorte

  • Pfarrfriedhof Langenrohr: Er befindet sich traditionell rund um die Pfarrkirche und wurde im Laufe der Jahrhunderte erweitert. Hier finden sich die Familiengräber der alteingesessenen Bauernfamilien des Einzugsgebiets.

Dokumentation & Lokales Gedächtnis

  • Josef-Reither-Museum: Das Museum im Geburtshaus des ehemaligen Landeshauptmanns (Langenrohr Nr. 22) dokumentiert nicht nur dessen Leben, sondern bewahrt auch Relikte der bäuerlichen Arbeitswelt und Regionalgeschichte.
  • Archiv: Relevante historische Dokumente finden sich oft im Archiv des Stiftes Göttweig oder im Diözesanarchiv St. Pölten, da Langenrohr geistliche Verknüpfungen dorthin hatte.

Sehenswertes & Historische Bauten

  • Pfarrkirche St. Nikolaus: Eine ursprünglich gotische Kirche, die im 18. Jahrhundert barockisiert wurde. Der Schutzpatron der Schiffer, der Hl. Nikolaus deutet auf die einstige Nähe der Schifffahrtswege hin.
  • Alte Tulln-Arme: In der Landschaft lassen sich noch die alten Mäander der Großen Tulln erkennen, bevor diese reguliert wurde.
  • Kriegerdenkmal Langenrohr: 
    Es befindet sich bei der Kirche in Langenrohr und listet die Namen der Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege aus der Gemeinde Langenrohr.

Wissenswertes: Was das Leben unserer Vorfahren prägte

Vom Wasser geprägt: Die Zeit vor der großen Donauregulierung.

Die “Große Regulierung” (19. Jahrhundert)

Langenrohr war früher ein Ort der Inseln und Wasserarme. Die Große Tulln floss nicht wie heute in einem geraden Bett, sondern mäandrierte (schlangelte) wild durch das Gemeindegebiet.

  • Wissenswert: Viele alte Hausnamen oder Flurbezeichnungen in Langenrohr beziehen sich auf diese Wasserlandschaft (z. B. “Haufen”, “Wörth”). Die Regulierung Ende des 19. Jahrhunderts veränderte das Dorfbild radikal – aus Schiffern und Fischern wurden endgültig Ackerbauern.

Naturgewalten: Das große Erdbeben von 1590 und seine Folgen für das Ortsbild.

Das “Schicksalsjahr” 1590 (Das große Erdbeben)

Ein historisches Ereignis, das oft vergessen wird: Im Jahr 1590 gab es im Raum Neulengbach/Tullnerfeld ein schweres Erdbeben.

  • Wissenswert: Auch in Langenrohr wurden damals viele Gebäude, darunter die Vorgängerkirche der heutigen St. Nikolaus-Kirche, schwer beschädigt oder zerstört. Wenn Forscher feststellen, dass fast alle bedeutenden Bauwerke in der Region aus der Barockzeit stammen, liegt das oft an den Zerstörungen dieses Bebens.

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