Kurzprofil
- Bezirk: Tulln
- Historisch: Standort des römischen Reiterkastells Asturis am norischen Limes.
- Lage: Zentrales Tullnerfeld am südlichen Donauufer.
- Charakter: Ehemaliges Fischer- und Bauerndorf, das sich zum modernen Industrie- und Kraftwerksstandort entwickelte.
Geografie & Katastralgemeinden
Die Gemeinde umfasst 11 Katastralgemeinden. Für Forscher ist die Unterscheidung wichtig, da sie oft über Jahrhunderte unterschiedlichen Grundherrschaften angehörten:
- Zwentendorf an der Donau: Hauptort, geprägt durch Verwaltung, Handwerk und Donaunähe.
- Bärndorf: Landwirtschaftliches Zeilendorf östlich des Hauptortes.
- Buttendorf: Kleines Dorf südlich von Zwentendorf mit historisch bäuerlicher Struktur.
- Dürnrohr: Ortsteil an der Perschling, heute Standort großer Energieanlagen.
- Erpersdorf: Dorf zwischen Zwentendorf und Pischelsdorf.
- Kaindorf: Südlich gelegener Ortsteil, traditionell agrarisch geprägt.
- Kleinschönbichl: Ehemaliges Schiffer- und Fischerdorf direkt am Strom.
- Maria Ponsee: Bedeutender Wallfahrtsort und Kirchweiler.
- Oberbierbaum: Südlicher Ortsteil, historisch eng mit der Pfarre Maria Ponsee verbunden.
- Pischelsdorf: Standort des Industriegebiets (Donau Chemie), früher wichtiges Straßendorf.
- Preuwitz: Westlichster Ortsteil an der Grenze zum Bezirk St. Pölten.
Kirchliches & Seelsorge
Für die Suche nach Geburts-, Trauungs- und Sterbedaten (Matriken) ist die Aufteilung in zwei Pfarren entscheidend:
- Pfarre Zwentendorf (Hl. Ägidius):
- Zuständig für: Zwentendorf, Bärndorf, Dürnrohr, Erpersdorf, Pischelsdorf und Kleinschönbichl.
- Matriken: Taufen/Trauungen ab 1638, Sterbefälle ab 1677.
- Pfarre Maria Ponsee (Mariä Geburt):
- Zuständig für: Kaindorf, Buttendorf, Maria Ponsee, Oberbierbaum und Preuwitz
- Matriken: Taufen/Trauungen ab 1649, Sterbefälle ab 1723.
Bestattungsorte
- Friedhof Zwentendorf: Befindet sich am südlichen Ortsrand. Er liegt teilweise auf dem Areal des ehemaligen römischen Kastells.
- Friedhof Maria Ponsee: Rund um die Wallfahrtskirche gelegen; Bestattungsort für die Bewohner des westlichen Gemeindegebietes.
Dokumentation & Lokales Gedächtnis
- Topothek Zwentendorf: Digitale Sammlung privater historischer Fotos und Dokumente.
- Haus der Geschichte: Das Museum befindet sich neben dem Rathaus; Schwerpunkt auf Römerzeit und Ortsgeschichte.
- Gemeindearchiv: Verwaltet im Rathaus Zwentendorf; wichtig für Protokolle und lokale Verwaltungshistorie.
Wissenswertes: Historische Hintergründe
Zwentendorf war über Jahrhunderte ein strategischer Punkt an der Donau. Das römische Kastell Asturis sicherte den Limes ab. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war die Herrschaft zersplittert; neben der lokalen Herrschaft im Schloss hatten Institutionen wie das Stift Göttweig großen Einfluss auf Grundbesitz und Zehentpflichten der Vorfahren.
Historische Bauten & Denkmäler
- Schloss Zwentendorf: Ein barocker Bau, der sich seit Generationen im Besitz der Familie Althann befindet und von dieser bis heute privat bewohnt wird. Es ist ein historische Herzstück und Wahrzeichen des Ortes.
- Pfarrkirche Zwentendorf: Dem Hl. Ägidius geweiht, mit mittelalterlichem Kern.
- Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Ponsee: Eine der ältesten Marienkirchen der Region mit markanten barocken Zwiebeltürmen.
- AKW Zwentendorf: Das weltweit bekannte Kernkraftwerk, das nach der Volksabstimmung 1978 nie in Betrieb ging. Es ist heute ein technisches Denkmal und kann besichtigt werden.
Wissenswertes: Was das Leben unserer Vorfahren prägte
- Donau & Hochwasser: Das Leben war ein ständiger Kampf mit dem Fluss. Vor der Regulierung veränderten Hochwässer oft den Lauf der Donau und vernichteten Ernten.
- Wallfahrt: Der Pilgerstrom nach Maria Ponsee sicherte vielen Bewohnern (Wirten, Handwerkern) ein Zusatzeinkommen.
- Industrialisierung: Der Bau der Fabrik in Pischelsdorf (Donau Chemie) ab den 1930er/40er Jahren brachte einen radikalen Wandel: Viele Bauern wurden zu Fabriksarbeitern, und neue Familien aus anderen Regionen zogen zu.
