Glutheiße Sommertage Ende Juli und Anfang August – was für uns heute Badesee und Sommerurlaub bedeutet, war für unsere Ahnen im Tullnerfeld oft die gefährlichste Zeit des Jahres. Trockene Holzdächer, eng bebaute Gassen und ein einziger Funke reichten aus, um ganze Straßenzüge in Schutt und Asche zu legen.
Genau das geschah am 2. August 1819 um 13 Uhr: Im Gasthaus „Zum Goldenen Hirschen“ am Tullner Hauptplatz (Haus Nr. 5) brach ein Feuer aus, das sich in der glühenden Mittagshitze rasend schnell ausbreitete. Die Katastrophe vernichtete auf einen Schlag 19 Wohnhäuser samt Nebengebäuden. Innerhalb weniger Stunden standen Dutzende Tullner Familien vor dem absoluten Nichts.
Warum Sommerbrände das Tullnerfeld so hart trafen
Schaut man in alte Ortschroniken der Region – ob in Städten wie Tulln oder in den Dörfern beiderseits der Donau im Tullnerfeld–, zieht sich ein roter Faden durch die Sommermonate: Feuer.
- Bauweise als Pulverfass: Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein dominierten Holz- und Lehmbauten mit Stroh- oder Schindeldächern. In den Städten standen die Häuser eng zusammen, auf dem Land waren die Scheunen prall gefüllt mit trockenem Stroh und Heu.
- Trockenheit & Wind: Die sommerliche Hitze trocknete das Baumaterial aus. Ein Funke aus einem Küchenherd oder einer Wirtshausküche reichte bei sommerlichem Wind aus, um das Feuer auf die Nachbarhäuser überspringen zu lassen.
- Keine moderne Feuerwehr: Vor der Gründung der ersten freiwilligen Feuerwehren im späten 19. Jahrhundert gab es nur Eimerketten vom nächsten Brunnen oder der Donau. Gegen einen Vollbrand hatte man in der Sommerhitze kaum eine Chance.
Was hat das mit unserer Familienforschung zu tun?
Für uns Familienforscher sind historische Brände weit mehr als nur alte Katastrophenmeldungen – sie erklären oft plötzliche Brüche in der eigenen Familiengeschichte:
- Vernichtete Dokumente: Wenn Pfarrhöfe, Rathäuser oder Archive brannten, gingen oft Matriken und Grundbücher über Jahrhunderte verloren.
- Plötzlicher Ortswechsel: Viele Familien verließen nach einem Großbrand verarmt ihre Heimat, weil der Wiederaufbau unbezahlbar war.
- Spuren in Bauakten: Auf der anderen Seite entstanden beim Wiederaufbau oft detaillierte Schadensprotokolle, Spendenlisten oder Steuerbefreiungsakten, in denen Personen auftauchen, die sonst nirgends erwähnt werden!
Macht mit!
In unserer Datenbank sammeln wir fortlaufend Berichte, Hausgeschichten und Dokumente aus dem gesamten Tullnerfeld.
Gibt es in eurer Familiengeschichte Erzählungen über historische Brände? Habt ihr vielleicht sogar alte Aufzeichnungen, Brandbettelbriefe oder Inschriften an Wiederaufbau-Häusern in eurem Ort entdeckt?
Schreibt es uns in die Kommentare oder schickt uns eine Nachricht! Jeder Hinweis hilft uns dabei, das regionale Bild unserer Vorfahren weiter zu vervollständigen.
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Sehr interessant,
Danke für diesen tollen Bericht 💞